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GENETIK - "VERERBUNG - ZUFALL MIT SYSTEM"

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TEIL 11
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Schauen wir uns zunächst die beiden neuen Tabellen an und rekapitulieren ein wenig. Die Tabelle 1 unterscheidet sich von der aus Teil 9 nur wenig. Die ganzen Agoutis fehlen, aber die haben ja eine eigene Tabelle bekommen.

MÖGLICHE GENOTYPEN NON AGOUTI
 
schwarz: aa B- C- D- -- ii --
(black-)Smoke: aa B- C- D- -- I- --
Blau: aa B- C- dd dmdm ii --
Blue-smoke: aa B- C- dd dmdm I- --
Bluesilver-tabby, -shaded, -chinchilla: A- B- C- dd dmdm I- --
Caramel: aa B- C- dd Dm- ii --
               
Chocolate: aa bb C- D- -- ii --
  aa bb1 C- D- -- ii --
Chocolate-smoke: aa bb c- D- -- I- --
  aa bb c- D- -- Ii --
Lilac: aa bb C- dd dmdm ii --
  aa bb1 C- dd dmdm ii --
Lilac-smoke: aa bb C- dd dmdm I- --
  aa bb C- dd dmdm Ii --
Taupe: aa bb C- dd Dm- ii --
Cinnamon: aa b1b1 C- D- -- ii --
Fawn: aa b1b1 C- dd dmdm ii --
               
Burma-Braun: aa B- cbcb D- -- ii --
Burma-blau: aa B- cbcb dd dmdm ii --
Burma-chocolate: aa bb cbcb D- -- ii --
Burma-lilac: aa bb cbcb dd dmdm ii --
               
Seal-point: aa B- cscs D- -- ii --
Blue-point: aa B- cscs dd dmdm ii --
Chocolate-point: aa bb cscs D- -- ii --
  aa bb1 cscs D- -- ii --
Lilac-point: aa bb cscs dd dmdm ii --
  aa bb1 cscs dd dmdm ii --
               
Seal-Tonkanese: aa B- cbcs D- -- ii --
Blue-Tonkanese: aa B- cbcs dd dmdm ii --
Chestnut-Tonkanese: aa bb cbcs D- -- ii --
Lilac-Tonkanese: aa bb cbcs dd dmdm ii --

Die Genotypen der Non-Agoutis sind um die Platzhalter für die Allele des Tabbygens erweitert worden, aber eingetragen ist dort außer einer Menge Gedankenstriche nichts.

Warum wohl?

Weil bei den Non-Agoutis die zweifellos vorhandene Tabby-Zeichnung höchstens als Geisterzeichnung bei Jungtieren sichtbar ist, alle Erwachsenen sind einfarbig. Anders herum ausgedrückt, Sie können einem Erwachsenen Tier nicht ansehen, welche Allelenkombination aus der Tabby-Serie unter seinem Pelz versteckt ist. Aber bei den Babys kommt das Tabby-Muster als Geisterzeichnung ganz deutlich zum Vorschein, das ist kein Fehler, das muß so sein.

Wenn Sie nun aus mehreren Würfen von den gleichen Eltern immer das gleiche Tabby-Muster haben, dann können Sie den Tabby-Genotyp der Nachkommen festlegen und den Tabby-Genotyp der Eltern zumindest einengen. Gehen Sie dabei ganz streng nach den Mendel'schen Regeln vor.

Ist die Geisterzeichnung immer Mackerel, dann spricht einiges dafür, daß sowohl alle Babys wie auch beide Eltern homozygot für Mackerel sind (T/T). Taucht Mackerel dagegen nur sehr häufig im Vergleich zu Classic auf, dann können wir höchstens darauf schließen, daß vielleicht ein Elternteil homozygot ist. Welcher das ist, wie der andere Elternteil aussieht und was für einen Genotyp die Babies haben, das können wir allerdings nicht näher definieren. Außer natürlich bei den Babys mit blotched-Geisterzeichnung, die müssen homozygot (tb/tb) sein.

Die häufigsten Geisterzeichnungen sind Mackerel und Spotted, was auf ihre starke natürliche Präsens hinweist. Aber die getupften (spotted) haben wir ja noch gar nicht besprochen, die kommen aber gleich im Anschluß an die 2. Tabelle.

MÖGLICHE GENOTYPEN AGOUTI
 
(black)-mackerel-tabby: A- B- C- D- -- ii TT
  A- B- C- D- -- ii Ttb
oder: A- B- C- D- -- ii T-
(black-)classic-tabby: A- B- C- D- -- ii tbtb
wildfarbener Abessinier: A- B- C- D- -- ii Ta-
Singapura: A- B- cbcb D- -- ii Ta-
seal-tabby-point: A- B- cscs D- -- ii **
(black-)silver-...-tabby, (black-)silver-shaded,              
(blacksilver-)chinchilla: c- B- C- D- -- I- **
(black-)silver Abessinier: A- B- C- D- -- I- Ta-
pewter: A- B- C- D- -- Ii **
golden: A- B- C- D- -- ii **
               
blue-...-tabby: A- B- C- dd dmdm ii **
blauer Abessinier: A- B- C- dd dmdm ii Ta-
blue-tabby-point: A- B- cscs dd dmdm ii **
blue-silver-...-tabby, blue-silver-shaded,              
bluesilver-chinchilla: A- B- C- dd dmdm I- **
bluesilver Abessinier: A- B- C- dd dmdm Ii Ta-
               
chocolate-...-tabby A- bb C- D- -- ii **
  A- bb1 C- D- -- ii **
chocolate Abessinier: A- bb C- D- -- ii Ta-
  A- bb1 C- D- -- ii Ta-
chocolate-tabby-point: A- bb cscs D- -- ii **
  A- bb1 cscs D- -- ii **
chocolatesilver-...-tabby, chocolatesilver-shaded,              
chocolatesilver-chinchilla: A- bb C- D- -- I- **
  A- bb1 C- D- -- I- **
chocolatesilver Abessinier: A- bb C- D- -- Ii Ta-
  A- bb1 C- D- -- Ii Ta-
               
Lilac-...-tabby: A- bb C- dd dmdm ii **
  A- bb1 C- dd dmdm ii **
lilac (lavender) Abessinier: A- bb C- dd dmdm ii Ta-
  A- bb1 C- dd dmdm ii Ta-
lilac-tabby-point: A- bb cscs dd dmdm ii **
  A- bb1 cscs dd dmdm ii **
lilacsilver-...-tabby, lilacsilver-shaded,              
lilacsilver-chinchilla: A- bb C- dd dmdm I- **
  A- bb1 C- dd dmdm I- **
               
cinnamon-...-tabby: A- b1b1 C- D- -- ii **
sorel Abessinier: A- b1b1 C- D- -- ii Ta-
Fawn Abessinier: A- b1b1 C- dd dmdm ii Ta-

ANMERKUNGEN:
 
* bei "mackerel" (TT) oder (Ttb) , bei "classic" (tbtb)
... je nach Genotyp durch "mackerel" oder "classic" zu ersetzen, wie bei black-...- tabby gezeigt. 
pewter: nur aus Verpaarungen zwischen homozygoten Silbernen (II) und nicht silbernen Tabby-Varianten (ii) 
golden: nur aus Verpaarungen zwischen zwei heterozygoten Chinchillas (ii)

Diese Genotypen-Tabelle wurde durch die Tabby-Serie um eine ganze Reihe neuer Varianten erweitert.

Natürlich gibt es auch hier die Fälle, wo einem Phänotyp mehrere Genotypen zugrunde liegen, das ist für uns nichts Neues.

Interessant ist die Tatsache, daß offensichtlich bestimmte Genotypen zu verschiedenen Phänotypen führen können.

Immer die Reihe Tabby-Shaded-Chinchilla hat den gleichen Genotyp, dabei sind das doch alles recht unterschiedlich aussehende Katzen.

Mit unserem bereits in genetischen Dingen geübten Verstand schließen wir daraus, daß dem nur ein nicht unerheblicher Einfluß von Polygenen zugrunde liegen kann.

Und wo bleiben die schon so oft erwähnten "Spotted"? Ganz einfach, da brauchen wir nicht einmal unsere TABELLE 2 zu erweitern, die "Spotted" haben den gleichen Genotyp wie die entsprechenden Tabby-Varianten. Sie werden sehen, daß eine so starke, ja geradezu wildtypische Veranlagung wie "Spotted" nicht einmal ein einzelnes diskretes Gen oder Allel braucht, um sich in der Evolution durchzusetzen.

Auch polygen gesteuerte Merkmale können über Jahrtausende und Jahrmillionen stabil bleiben. Lassen wir diese Aussage zunächst in dieser allgemeinen Form stehen und sammeln erst einmal, was wir über die getupften Katzen und deren Zucht wissen. Dann können wir ja unsere Schlüsse daraus ziehen.
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ALLELE T UND Tb = SPOTTED-TABBY ODER GETUPFT


Wie sehen denn unsere heutigen getupften Katzen aus?

Auf jeden Fall ist die Tupfung nicht einheitlich. Es gibt alle Übergänge von kurzen Streifen zu größeren Tupfen und kleineren Tupfen (Forellentüpfelung), die alle an aufgebrochene Streifen erinnern. Dann noch weit auseinanderliegende runde Tupfen, die entfernt eine Herkunft aus aufgebrochener classic-tabby-Zeichnung erahnen lassen.

Die bekanntesten getupften Rassen sind:

» BRITISCH KURZHAAR (BKH)
in allen Tabby-Farben.

» ORIENTALISCHER TYP
aber gedrungener und schwerer.

» OCICAT
Hybride aus einem chocolate-point Siamkater und einer getüpfelten Siam/Abessinier-Mischlingskatze gezogen in den Farben chocolate oder chestnut (b/b oder b/bl) und hellbraun oder cinnamon (bl/bl)

»»» NORDAMERIKANISCHE EGYPTIAN MAU:
ebenfalls eine Hybride in allen Farben. Interessant ist, daß dort die bronce Egyptian Mau eigentlich chocolate (b/b) ist, während die echten Egyptian Mau allesamt genetisch schwarz (B/B) sind, auch die sog. broncene, hier bezieht sich die Farbbezeichnung wieder, wie bei den Tabbys, auf die Agouti-Grundfarbe.

»»» ORIENTAL-SPOTTED-TABBY:
der Name wurde kreiert, um die getupften orientalisch Kurzhaar von den nordamerikanischen Egyptian Mau zu unterscheiden. Die Katzen stammen ursprünglich aus Kreuzungen zwischen Mischlings-Tabbys und Siamesen oder Havanna und tabby-point-Siamesen und werden bevorzugt in den Farben blue, chocolate, cinnamon, lilac und creme ausgestellt.

»» EGYPTION MAU:
Die Egyptian Mau ist die einzige Rasse getupfter Katzen orienta­lischen Typs, die sich natürlich entwickelt hat und somit die einzige domesti­zierte Form gefleckter Katzen. Daher muß es das Zuchtziel sein, zum Original oder wenigstens zu einer der ersten Hauskatzen zurückzukehren, so wie sie sich vor rund 3500 Jahren von den Ägyptern in die Wohnge­mein­schaft hat aufnehmen lassen. "Mau" bedeutet in altägyptisch einfach "Katze", Egyptian Mau be­deutet daher nichts anderes als "ägyptische Katze".

ES WERDEN NUR DIE FOLGENDEN VIER TYPISCHEN FARBEN GEZÜCHTET:

» SILVER ((black)-silver-mackerel-spotted):
holzkohleschwarze Tupfen auf silberweißem Untergrund

» BRONCE ((black)-mackerel-spotted):
tiefdunkelbraune Tupfen auf honig­broncefarbenem Agouti-Untergrund

» (BLACK)smoke:
pechschwarze Tupfen auf dunkelgrauem Untergrund mit silbrig-weißem Unterfell

» BLACK:
die Tupfen sind nur bei schräger Beleuchtung oder im Sonnen­licht als Geisterzeichnung sichtbar, ähnlich wie beim Panther,dem schwarzen Leopard. Da sie sozusagen den Wildtyp der getupften Hauskatzen darstellt, übernehmen wir ihr Erscheinungsbild als Vorbild für die spotted oder genauer mackerel-spotted.
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DIE ALLGEMEINEN MERKMALE DER MACKEREL-ZEICHNUNG GELTEN AUCH HIER, BIS AUF FOLGENDE AUSNAHMEN:


- die Halsketten sind vorne unterbrochen (nicht bei anderen Spotted-Rasse
- die Ringe an den Beinen und am Schwanz können unterbrochen sein oder sind sogar in Tupfen aufgelöst
- der oder die Aalstriche sind bis zu den Hüften zumindest in verlängerte Tupfen aufgelöst (bei anderen Spotteds mindestens bis zur Körpermitte)
- die Mackerel-Streifen sind vollständig in Tupfen aufgelöst, sie müssen auf den beiden Flanken jedoch nicht identisch gezeichnet sein

Bleiben wir bei der Zeichnung und deren Genetik.

Bei den anderen getupften Rassen gibt es alle möglichen Übergänge zwischen Mackerel, unterbrochenem Mackerel (kurze Streifen) und Tupfen. Überhaupt zeigt Mackerel immer eine natürliche Tendenz aufzubrechen. Des weiteren gibt es große Unterschiede zwischen Form, Größe und Abstand der Tupfen (Vergleiche Mau und Ocicat).

Diese Tatsachen lassen darauf schließen, daß es sich hier nicht um ein weiteres mutiertes Allel des Tabbygens handelt.

Gute getupfte Katzen, egal welcher Rasse, erreicht man nur durch konsequente Linienzucht.

Das haben wir doch schon einmal gehört. Richtig! Polygen veranlagte Merkmale werden durch Linienzucht stabilisiert.

Aber es könnte auch ein unabhängiges Gen (Sp für spotted) sein das in homozygoter Form (Sp/Sp oder sp/sp) epistatisch das Aufbrechen der beiden Tabby-Varianten "mackerel" und "classic" bewirkt. Denn die Reinhaltung von Homozygotien, insbesondere der rezessiven Form, bedarf ebenso der Linienzucht.

Aber da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Für uns bleibt nur die Tatsache, daß spotted genetisch entweder Mackerel-Tabby oder Classic-Tabby ist, wobei die Streifen oder Bänder entweder polygenetisch oder epistatisch durch eine bestimmte Allelenkombination eines unabhängigen Gens zu Tupfen unterschiedlicher Form und Größe aufgebrochen werden.
Interessant ist, daß die deutlicher getupften Katzen immer zur Silber-Gruppe gehören, also den Melanin-Inhibitor (I) tragen.

Ich habe schon beschrieben, daß der Farbstoffeinbau durch dieses Allel besonders stark in den weniger pigmentierten Bereichen behindert wird, nämlich im Agouti-Untergrund zwischen den Streifen und dort, wo die Streifen bereits aufgebrochen sind oder gerade aufbrechen.

Die natürliche Neigung der Mackerel-Streifen, in Punkte aufzureißen, wird durch die übergreifende Wirkung des Inhibitor-Allels akzentuiert. Der Einfluß von Polygenen oder die epistatische Wirkung eines hypothetischen Spotted-Gens potenziert diesen Effekt, daher zeigen silberne Spotted-Varianten (wie z.B. choco­latesilver-mackerel-spotted) einen deutlich höheren Kontrast als nicht-silberne Farben (wie z.B. (black-)mackerel-spotted).

Das zeigt uns aber auch, daß es sich nicht um ein "Spotted-Allel" des Tabby-Gens handeln kann, sondern daß ein weiterer unabhängiger Einfluß vorliegen muß. Ob dieser polygener oder epistatischer Natur ist, diese Frage müssen leider im Augenblick noch offen lassen.

Fazit für uns: Nichts Genaues weiß man nicht!

Wir können jetzt nur festhalten, daß die Spotted-Varianten genau den gleichen Genotyp haben wie die entsprechenden Tabby-Varianten.

Wir brauchen also keine neue Tabelle, sondern wir ersetzen in TABELLE 2 ledig­lich "-tabby" durch "-spotted".

Das ist zwar als Ergebnis für die vorliegende gründliche Auseinandersetzung mit dem Kapitel "getupfte Katzen" nicht besonders befriedigend, aber es funktioniert.

Das nächste Mal kommen endlich die schon mehrfach angekündigten "Roten". Das wird zwar auch nicht einfacher werden, aber im Ergebnis sicher befriedigender, weil man über den genetischen Hintergrund eindeutigere Aussagen machen kann.

Dann gibt’s auch wieder eine neue Tabelle mit vielen neuen Genotypen.
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Diese Serie wurde in 18 Teilen sehr verständlich und detailliert im Jahr 1993 von Roland Fahlisch (Diplom Biologe) geschrieben und in der Zeitschrift Katzen Extra veröffentlicht.

Wir danken Monika und Roland Fahlisch herzlich
für Ihre schriftliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieser tollen Serie.

Dreamhunters

(Wir bitten um Beachtung des Copyright - © Roland Fahlisch)
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