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GENETIK - "VERERBUNG - ZUFALL MIT SYSTEM"

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TEIL 8
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Die Lösung der Aufgabe aus dem letzten Heft war bestimmt etwas mühsam, weil sie mit viel Schreiberei verbunden war. Bevor ich das Rätsel auflösen werde, will ich etwas über die zukünftige Form der Genotypen-Tabellen sagen und erklären, wie Sie diese Tabellen als "Lexikon" benutzen können.

Zunächst werden alle möglichen Genotypen aufgelistet.

Wenn für einen Genotyp eine kürzere Schreibweise möglich ist, wird sie am Ende der Tabelle aufgeführt und in allen folgenden Tabellen verwendet.

Sollten Sie sich einmal unsicher sein, welche einzelnen Genotypen sich hinter einer Kurzform verbergen, dann brauchen Sie nur eine oder zwei Tabellen zurückzublättern und schon haben Sie wieder die vollständige Genotypen-Liste. Sofern sie sich nicht gegenseitig beeinflussen, werden für einzelne Merkmale wie Fellfarbe, Felltextur, Körerbau etc. getrennte Listen entwickelt.

Sollte Ihrer Meinung nach eine Liste nicht vollständig sein, so handelt es sich bei den fehlenden Genotypen sicher um solche, die zu erheblichen Mißbildungen führen oder züchterisch nicht von Bedeutung sind. Oder aber ich habe sie einfach vergessen! Dann bitte ich darum, daß Sie einerseits Nachsicht üben und mich andererseits möglichst gleich darüber informieren, damit ich den Fehler ausbügeln kann.

Nun zur versprochenen Tabelle. Viele Genotypen werden Ihnen bekannt vorkommen und sind tatsächlich nur Wiederholungen vorangegangener Beschreibungen. Aber erstens lernt man nur durch ständige Wiederholung und zweitens ergibt sich hier ein guter Einschnitt:

Ab Teil 7 beginnt das eigentliche "genetische Nachschlagewerk" für den Züchter und in Teil 8 die erste vollständige "Genotypentabelle".

MÖGLICHE GENOTYPEN
       
schwarz: aa BB CC
  aa Bb CC
  aa Bb1 CC
oder: aa B- CC
  aa B- Ccb
  aa B- Ccs
  aa B- Cca
  aa B- Cc
oder: aa B- C-
       
chocolate: aa bb C-
  aa Bb1 C-
       
cinnamon: aa b1 b1 C-
       
burma-braun: aa B- cb cb
burma-chocolate: aa bb cb cb
       
seal-point: aa B- cs cs
  aa B- cs ca
  aa B- cs c
       
chocolate-point: aa bb cs cs
  aa bb cs ca
  aa bb cs c
       
seal-Tonkanese: aa B- cb cs
       
chocolate- oder chestnut-Tonkanese:  aa bb cb cs
       
weiß (blaue Augen): -- -- caca
  -- -- cac
       
weiß (rote Augen): -- -- cc

Sie sehen, daß schon für die ersten 7 Genotypen eine Formel völlig ausreicht, um den Phänotyp zu beschreiben. Die ausgeschriebenen Formeln sind nur dann notwendig oder angebracht, wenn aus Stammbaumanlysen oder infolge bestimmter NachkommenPhänotypen der vollständige Genotyp feststeht und für eine Verpaarung mit einem bestimmten Zuchtziel von Bedeutung ist.

Bei den chocolate, seal-point, chocolate-point u.s.w. ist dagegen eine Abkürzung nicht angebracht. Es ist zwar bl rezessiv gegenüber b oder c rezessiv gegenüber cs und cb, aber es gibt ja noch die über alles dominanten Allele B und C. Außerdem sind cs und cb codominant oder gleichberechtigt. Daher wär mit den Formeln (b/-) oder (cb/-) der Phänotyp nicht eindeutig festzulegen, deshalb verbietet sich hier die Kurzformel.

Jetzt fehlen Ihnen vielleicht noch die "cinnamon-Burma", die "cinnamon-Points" und die "cinnamon-Tonkanesen". Nun, die stehen deshalb in Anführungszeichen, weil sie keine anerkannten Varianten sind. Sie fehlen also nicht, sondern sind absichtlich weggelassen worden.
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WEISS EIN FALL FÜR SICH


Bei den "Weißen" sind die Bindestriche deshalb so zahlreich, weil man nie weiß, was sich hinter einer "Weißen" verbirgt.

Die Platzhalter können nur dann sicher ersetzt werden, wenn die Stammbaumdaten der Eltern eindeutige Aussagen zulassen (z.B. beide Eltern sind für ein Merkmal entweder homozygot dominant oder homozygot rezessiv).

An dieser Stelle noch einmal der eindringliche Hinweis: Albino-weiß (ca und c) haben nichts mit dem epistatischen Weiß (W) oder dem Weiß des Scheckungsgens (S) zu tun, allen drei Weiß-Formen liegen völlig voneinander unabhängige Gene zugrunde. Das Albino-Weiß beruht auf einer gestörten Pigment-Bildung, ist also gewissermaßen ein genetischer Defekt und von allen anderen Farbgenen unabhängig und unbeeinflußbar.

Kommen wir nun zu zwei weiteren Genen, deren Auswirkungen so eng gekoppelt sind, daß eine neue Genotypentabelle erst dann aufge­stellt wird, wenn beide besprochen sind. Ihre Abhängigkeit voneinander ist so ausgeprägt, daß von manchen Autoren sogar angezweifelt wird, daß es sich um zwei unabhängige Gene handelt.
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DAS D-GEN (ALLELE: D, d)


Es handelt sich hier um ein Gen, dessen Allele Auswirkungen auf die Farbdichte haben.

Bei der B-Serie wird die Zusammensetzung der Farbpartikel verändert, bei der C-Serie wird die Anzahl der Farbpartikel beeinflußt und durch die Allele des D-Gens wird die Verteilung der Pigmentpartikel innerhalb der Zelle bestimmt.
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ALLEL D = UNVERDÜNNTE FARBE


Unter dem D-Allel (Wildtyp) sind die Farbkörnchen gleichmäßig in der Zelle verteilt, die volle durch die B- und C-Serie vorbestimmte Farbe kommt zur Geltung.

Sie müssen also bei der obigen Tabelle nur an jeden Genotyp die Allelenkombination D/D, D/d oder einfach D/- anfügen und schon haben Sie die Genotypen der sogenannten unverdünnten Farben schwarz, chocolate, cinnamon, burma-braun, burma-chocolate usw.

Das D-Allel ist absolut dominant über d, es gibt keinen Unterschied zwischen D/D und D/d. Die weißen Varianten aus der Albino-Serie können wir jetzt und in Zukunft weglassen. Wo keine Pigmente gebildet worden sind, kann weder eine Veränderung, noch eine Umverteilung stattfinden.
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ALLEL d = VERDÜNNTE FARBE


Ist das mutierte d-Allel aktiv, ballen sich die Pigmente zusammen, die Farben wirken verdünnt.

Verdünnung heißt im Englischen "Dilution", daher der Buchstabe D für das Verdünnungs-Gen.

Die homozygot rezessive Allelenkombination d/d führt zur Aufhellung aller Farben aus der vorherigen Tabelle.

Die wohl bekannteste Verdünnung ist die von schwarz zu blau, weshalb in der englischen Literatur häufig nicht "Dilution", sondern "Blue Dilution" zu lesen ist und das auch für Aufhellungen anderer Farben als schwarz.

Die beiden anderen Verdünnungen der B-Serie kennen Sie ja schon: Chocolate wird zu lilac und cinnamon zu fawn. Es bleiben nur noch die Aufhellungen der C-Serie zu besprechen, dann ist die Liste vollständig.

Das burma-braun wir zum burma-blau, einem hellen blau-grau.
Aus burma-chocolate entsteht das burma-lilac. Der Farbton läßt sich auch als ansprechendes tauben­grau beschreiben und ist in englischen Büchern mit platinfarben umschrieben.
Die übrigen Farbvarianten ergeben sich fast von selbst: Aus seal-point wird blue-point, aus chocolate-point wird lilac- oder frost-point und schließlich aus dem seal-Tonkanesen der blue-Tonkanese und aus dem chocolate-Tonkanesen der lilac-Tonkanese.

Augen: Die Allele D und d scheinen keinen Einfluß auf die Augenfarbe zu haben, sonst wäre es ja auch nicht möglich, Russisch Blau mit grünen Augen und Britisch Blau oder Kartäuser mit orange- bis kupferfarbenen Augen in reinen Linien zu züchten, da beide bezüglich der Farbgene den gleichen Genotyp haben.
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DAS Dm-GEN (ALLELE: Dm, dm)


Es handelt sich hier um ein wenig bekanntes Gen, unter dessen Einfluß verdünnte Farben noch einmal verdünnt werden. Unverdünnte Farben werden nicht abgeändert, nur Verdünnungen werden modifiziert, daher auch der Name Dm = Dilute Modifier.
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ALLEL Dm = MODIFIZIERTE VERDÜNNUNG


Da es sich bei Dm offensichtlich um das mutierte Allel handelt, haben wir hier den seltenen Fall, daß eine Mutation dominant bleibt und das Wild-Allel (dm) rezessiv wird. Da eine weitere Verdünnung der meisten verdünnten Farben sowohl genetisch als auch züchterisch nicht von Bedeutung ist, wird das Dm-Gen wohl weiterhin ein "Mauerblümchen-Dasein" führen und seine genetische Relevanz kontrovers diskutiert werden.

Denken Sie nur einmal zurück an die Beschreibung der Farbe fawn: noch heller als cinna­mon, fast "farblos" aber nicht weiß! Wie soll man eine noch weitere Aufhellung dieser Farbe beschreiben oder erkennen? Beschränken auch wir uns auf die wenigen Varianten, die auch für den Züchter interessant sind.

Blau wird durch Dm zu caramel. Wir kennen diese Farbe schon von der Beschreibung für cinnamon, wo sie aber meiner Meinung nach nicht ganz angebracht ist. Cinnamon erscheint eher ein wenig rötlich, während caramel mehr einen Anflug von braun erahnen läßt. Caramel sieht eigentlich aus wie lilac, nur nicht ganz so hell. Noch schwieriger zu umschreiben ist taupe, die Dm-Verdünnung von lilac. Der Begriff taupe ist lateinisch-französischer Herkunft und bedeutet direkt übersetzt maulwurfsgrau oder braungrau.
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ALLEL dm = NORMALE VERDÜNNUNG


Die Allelenkombination dm/dm stellt wohl den "Normalfall" dar, eine zusätzliche Beschreibung erübrigt sich.

Zusammen mit der Tatsache, das auch Dm nur bei verdünnten Farben wirkt, sind die beiden oben gezeigten Fälle als einzige erwähnenswert.

Die folgende und für heute letzte Tabelle beinhaltet alle Kombinationen der D- und Dm-Gene.

In Zukunft wird allerdings das Dm-Gen überall dort unberücksichtigt bleiben, wo keine Auswirkungen zu erwarten sind und wo vom züchterisch-genetischen Standpunkt aus die entsprechenden Varianten unerwünscht sind.

Der doppelte Gedankenstrich (-/-) soll eine Gedächtnisstütze sein, daß sich hinter unverdünnten Farben noch ein Verdünnungsfaktor in allen drei Allelenkombinationsmöglichkeiten (DmDm , Dmdm , dmdm) verbergen kann, der dann bei Nachkommen mit verdünnten Farben zu unerwarteten und zunächst unerklärbaren Farbvarianten führen kann.

Wir werden aber der Einfachheit halber zukünftig auch auf den doppelten Gedankenstrich verzichten, das Dm-Gen sollte Ihnen auch so in Erinnerung bleiben. Ebenso leicht können wir auf die Allelenkombination dm/dm verzichten.

Sie soll in dieser Tabelle nur verdeutlichen, daß jede andere Kombination (DmDm , Dmdm) keine Bedeutung hat.

MÖGLICHE GENOTYPEN
             
schwarz: aa B- C- DD DmDm  
  aa B- C- DD Dmdm  
  aa B- C- DD dmdm  
  oder          
  aa B- C- DD -- --
             
  aa B- C- Dd -- --
  oder:          
  aa B- C- D- -- --
             
blau: aa B- C- dd dmdm  
caramell: aa B- C- dd DmDm  
  aa B- C- dd Dmdm  
  oder:          
  aa B- C- dd dm-  
             
chocolate: aa bb C- D- -- --
  aa Bb1 C- D- -- --
             
lilac: aa bb C- dd dmdm  
  aa bbl C- dd dmdm  
             
taupe: aa bb C- dd Dm-  
             
cinnamon: aa b1 b1 C- D- -- --
fawn: aa blbl C- dd dmdm  
             
burma-braun: aa B- cb cb D- -- --
burma-blau: aa B- cbcb dd dmdm  
             
burma-chocolate:   aa bb cb cb D- -- --
burma-lilac: aa bb cbcb dd dmdm  
             
seal-point: aa B- cs cs D- -- --
blue-point: aa B- cscs dd dmdm  
             
chocolate-point: aa bb cs cs D- -- --
lilac-point: aa bb cscs dd dmdm  
             
seal-Tonkanese: aa B- cb cs D- -- --
blue-Tonkanese: aa B- cbcs dd dmdm  
             
Chocolate- oder Chestnut-Tonkanese: aa bb cb cs D- -- --
Lilac-Tonkanese: aa bb cbcs dd dmdm  

Wie sie sehen, fehlen auch die "Weißen" aus der Albino-Serie. Aber wie schon gesagt, keines der schon beschriebenen und noch zu besprechenden Farb-Gene wird irgend einen Einfluß auf die "Weißen" haben, weil hier die Pigmentbildung insgesamt gestört ist. Deshalb brauchen die Albino-"Weißen" nicht weiter mitgeschleppt werden, sie wären nur unnützer Ballast.

Was für Farb-Gene bleiben noch übrig, nachdem wir nun doch schon eine ganze Reihe besprochen haben?

Hier nur eine kleine Übersicht, damit Sie sehen, daß wir noch genug zu tun haben werden.

Da wäre noch das Inhibi­tor-Gen (I), besser bekannt als Silber-Gen, aber das trifft die Sache nicht ganz.
Dann die vermaledeiten "Roten" mit dem geschlechtsgebunden Orange-Gen (O).
Dann wird uns das Scheckungsgen (S) noch einiges Kopfzerbrechen bereiten.
Die Tabby-Serie wird uns eine schier unendliche Vielzahl von Varianten vorführen und zu guter Letzt
ärgert uns dann das epistatische Weiß (W), das alle Farben überdeckt.

Es gibt also noch viel zu tun, packen wir's an! Vielleicht können Sie sich schon ein Wenig auf die "Silbernen" und die "Roten" vorbereiten
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Diese Serie wurde in 18 Teilen sehr verständlich und detailliert im Jahr 1993 von Roland Fahlisch (Diplom Biologe) geschrieben und in der Zeitschrift Katzen Extra veröffentlicht.

Wir danken Monika und Roland Fahlisch herzlich
für Ihre schriftliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieser tollen Serie.

Dreamhunters

(Wir bitten um Beachtung des Copyright - © Roland Fahlisch)
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